Lovstakken
Meine Wanderung auf den Lovstakken begann direkt hinterm Haus. Für irgendwas muss es ja gut sein, so weit ab vom Schuss zu wohnen!
Es fing damit an, dass ich es letzten Samstag nicht ertragen konnte, von der Sonne geweckt zu werden - das ist ja schließlich so selten geworden, dass man direkt miese (!) Laune bekommt vor lauter schlechtem Gewissen, nicht draußen in der Natur zu sein.
Also schnell die Wanderstiefel angezogen, den Flachmann gefüllt und ein Marzipanschwein als Proviant eingepackt (zwei der drei Sachen stimmen, welche?) und hopp hopp auf den Berg. Vor lauter Fotopausen kam ich nicht so richtig schnell voran, außerdem stimmte mich hin und wieder die Tatsache nachdenklich, dass ich im Schnee seit fast einer Stunde einer einzigen Spur folgte - was weiß ich denn, welcher Volltrottel da vor mir hergestapft ist?
Irgendwann wurde es steiler und der Schnee tiefer. Als ich ein Eisengeländer und ein verschneites Tau fand, war ich mir fast sicher, bald oben angelangt zu sein, und mein kühner Schwung nach oben ließ mich nur verächtlich auf das Tau blicken (beim Abstieg auf blankem Eis wusste ich, warum man es dort angebracht hatte). Noch eine satte halbe Stunde im mittlerweile fast metertiefen Schnee - dann stand ich oben und wusste, warum ich mir
a) eine Mütze mitgebracht,
b) mein Marzipanschwein bis dort aufgespart und
c) mich gar erst aus dem Bett gequält hatte.
Überraschenderweise war es fast windstill, und ich traf die ersten drei Menschen auf meiner Wanderung - keiner sprach ein Wort, überwältigt vom grandiosen Panorama, in welche Himmelsrichtung man auch blickte. Die Fjorde, der Floyen und der Ulriken, ein paar 60er-Jahre-Bausünden - vor allem aber der Puderzucker - Wahnsinn.
Als ich mich schließlich nach einer halben Stunde zum Abstieg durchringen konnte, folgte ich zweimal der falschen Spur - die erste ließ mich direkt bis zur Hüfte (!) im Schnee versinken (beim ersten Rettungsversuch dann auch bis zu den Schultern), die zweite führte mich auf einem Umweg den Berg hinunter, allerdings habe ich ihr auch zu verdanken, dass ich auf der Flanke die wunderschön wärmende Nachmittagssonne genießen durfte.
Meine Jeans (jeder Norweger würde mich jetzt auslachen) waren übrigens fast bis zum Knie gefroren.