17. Mai - Prolog

Veröffentlicht auf von Lachslaus

Der 17. Mai ist den Norwegern heilig. So richtig! In Deutschland zeichnet sich der Nationalfeiertag ja vor allem dadurch aus, dass man nicht arbeiten muss. In Norwegen wird schon monatelang auf diesen Tag hingearbeitet. Jawohl, gearbeitet.

Als Landei bin ich Spielmannszüge ja durchaus gewöhnt, hatte aber das Glück, dass das Dorf-Schützenfest nicht jedes, sondern nur jedes zweite Jahr stattfand. Aber geprobt wurde, als ginge es ums eigene Leben. Auf der Straße natürlich.

Das ist hier noch viel schlimmer. Samstag morgen, 7 Uhr (!), ich werde von Trommelwirbeln geweckt. Vereinzelt konnte man die Trommeln schon im November hören, aber irgendwann wurden die wochenendlichen Proben systematisiert. Keine 50 Meter vor meinem Haus traf sich das sogenannte Buekorps (gibt es heutzutage nur noch in Bergen!) - die Jungs gerade mal der Pubertät entflohen, in Uniform und Mütze, und natürlich die Fahnenträger. Kein Lächeln, das hier ist bierernst. Und eine echte, schöne Tradition.

(Ich fühlte mich allerdings bei diesem unbarmherzigen Weckruf an die Sitzrasenmähertypen in einem deutschen Studentenwohnheim Anfang dieses Jahrtausends erinnert, die aus Prinzip erstmal eine Grasschneise rund ums Haus mähten, bevor sie sich an die eigentliche Arbeit machten - das faule Studentenpack sollte schließlich auch raus aus den Federn!)

Werbung

Veröffentlicht in Bergen & Norge

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:
Kommentiere diesen Post