Statsråd Lehmkuhl

Veröffentlicht auf von Lachslaus

Norwegens schönstes Segelschiff - das ist nicht übertrieben. Die Statsråd Lehmkuhl ist majestätisch, elegant und eine Augenweide. Die technischen Details spare ich mir hier - nur so viel: Die Gute ist ein Dreimaster, fast hundert Meter lang und bald hundert Jahre alt. Eine alte Dame.


Der Törn ging von der holländischen Kieler Woche - der Delfsail - nach Bergen. Wie schön, einmal nach Hause zu segeln anstatt zu fliegen! Selbst Wind und Wetter waren prima - ungefähr bis zur Stadtgrenze. (Es ist, als hätte Petrus Bergen aufgegeben.)

Mittlerweile weiß ich auch, wie gut man in Hängematten schläft. Zumal auf einem Schiff - das Schaukeln gleicht den Seegang aus! Wie ein Baby in der Wiege wird man von den Wellen in den Schlaf geschaukelt. Bei voller Belegung dengelt man allerdings seine beiden Nachbarn an.


Wir hatten Glück - oder Pech, wie man's sieht. Anstatt der üblichen 150 Trainees waren wir nur zu siebzehnt. Wir hatten unheimlich viel Platz und konnten uns wirklich ausbreiten. Unsere Hängematten konnten frei schaukeln, wie sie wollten. Die Kehrseite der Geschichte: Wir mussten die Arbeit von 150 Trainees verrichten - zu siebzehnt. Hört sich schlimmer an als es tatsächlich war, aber nach einem Tag Tauziehen (Segel hissen!) konnte ich mich nicht mehr rühren.

 

Und natürlich sind wir auch die Masten hochgeklettert. Zwar mit Klettergurt, aber vollkommen ungesichert! Einpicken tut man sich nur auf den Plattformen - die zweite liegt schon auf 32 Meter, höher habe ich mich auch nicht getraut. Die Aussicht, auf Deck oder der Wasseroberfläche zum Menschenfladen zu werden, war nicht sehr verlockend. Der Blick über Schiff und Meer entschädigt jedoch für jede Angstsekunde. Nächstes Mal wieder hoch? Na klar.

 

Das ultimative Highlight waren jedoch die beiden Holländer. So um die 50, wirklich nett - und stinkfaul. Erst als mich andere darauf aufmerksam machten, fiel mir auf, wie die beiden sich bei allen schweren körperlichen Aktivitäten dezent im Hintergrund hielten. Und irgendwann entdeckten wir auch, dass sie sich trotz strikten Alkoholverbots hin und wieder (das heißt alle paar Minuten) einen verstohlenen, beherzten Schluck aus dem Flachmann gönnten. 

Am letzten Abend lud der Kapitän zum Grillen auf Deck ein, und es wurde sogar Bier ausgeschenkt. Endlich musste Peter seinen Flachmann nicht mehr verstecken! Als ich am nächsten Morgen mit einigen anderen den Schlafsaal schrubbte, nahm mich ein Deutscher beiseite und riet mir, eine Ecke auszusparen, man bräuchte dort nochmal extra Desinfektionsmittel.

Er hatte in der Nacht aus der Richtung von Peters Hängematte ein strullerndes Geräusch gehört.

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Veröffentlicht in Bergen & Norge

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